Brexbachtalbahn e.V.
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Brex-Start verzögert sich
Samstag, 21. November 2009 um 00:00
2010 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein

2007 gründete sich der Verein Brexbachtalbahn. Sein Ziel: Die Reaktivierung der Traditionsstrecke zwischen Siershahn und Engers. Wie ist der Stand der Dinge? Die Westerwälder Zeitung hörte nach.

BREXBACHTAL. Vermeintlich ruhig ist es geworden um den 200 Mitglieder zählenden Verein Brexbachtalbahn und um die Reaktivierungspläne der historischen Bahnstrecke. Zu Pfingsten wurde mit einer Sondergenehmigung das Teilstück zwischen Siershahn und Grenzau anlässlich des 125. Geburtstages des Schienenwegs reaktiviert. Tausende Bahnfans bestiegen die historischen Züge und zeigten sich begeistert von der neuen und zugleich alten Attraktion.

Für Oktober hatte der Verein weitere Fahrten angekündigt, doch diese blieben aus. Grund: Die technische Abnahme der Strecke lässt immer noch auf sich warten. Das Verkehrsministerium in Mainz hat deshalb noch keine endgültige Erlaubnis zur Aufnahme des Betriebs erteilt.

"Wir sind selbst genervt, dass sich alles so hinzieht. Wir waren wohl etwas blauäugig und haben die gewaltige Aufgabe, die mit der Reaktivierung einhergeht, unterschätzt", übt sich Gernot Kallweit, Beirat des Vereins und Marketing-Experte, in Selbsterkenntnis. "Eigentlich wollten wir zum Töpfermarkt Fahrten anbieten, aber die Sicherungstechnik an den vier Ransbach-Baumbacher Bahnübergängen ist immer noch nicht repariert."

Ein beauftragtes Ingenieurbüro hakt nun Schritt für Schritt eine Liste mit zu erledigenden Arbeiten ab. Gerade diese vier Bahnübergänge in der Töpferstadt bereiten dem Verein Probleme: Die Halbschranken waren wiederholt über mehrere Stunden geschlossen. Der Verein erklärt dies mit Vandalismus. "Am Mechanismus der Stange, die die Schranken reguliert, war sichtlich manipuliert worden." Kallweit ist besorgt. Denn wenn verunsicherte Autofahrer erst geduldig auf den vermeintlich nahenden Zug warteten und dann entnervt langsam den Bahnübergang überqueren, kann dies zu gefährlichen Situationen führen. "Wir sind schließlich oft und zu unregelmäßigen Zeiten mit unseren beiden Baufahrzeugen auf der Strecke. Wenn dann die Schranken ignoriert werden, kann es zu bösen Unfällen kommen." Anzeige erstattet worden ist deshalb aber weder von Bürgern noch vom Verein, wie die zuständige Polizeiwache Höhr-Grenzhausen mitteilt. "Wenn wir nichts wissen, können wir auch nicht aktiv werden", so Polizeihauptkommissar Ansgar Feldges.

Der Verein hatte eigentlich gehofft, dass Sonderfahrten im Advent möglich wären. Auf WZ-Anfrage erteilt Betreiber Jörg Seyffert von der Eifelbahn Verkehrsgesellschaft dem aber eine Absage. "Die Zeit würde gar nicht ausreichen, um so etwas zu bewerben." Sonderfahrten im kommenden Jahr schließt er jedoch nicht aus. "Aber es macht nur Sinn, eine Strecke regelmäßig zu betreiben, wenn sie ganz auf ist." Seyfferts Ziel ist es, 2010 die ganze Strecke befahrbar herzurichten. Bis zu einer endgültigen Abnahme könne es aber dann noch dauern.

Vieles muss noch getan werden. Die Brocken: In Bendorf kreuzt die Brex einen Kreisverkehr, dort muss eine Sicherungsanlage gebaut werden. Und in Engers wurde eine Lärmschutzwand auf den Gleisen errichtet, diese muss auf 160 Metern Länge rückgebaut werden. Dafür muss eine neue Planfeststellung her. "Insgesamt muss die Finanzierung geklärt sein", so Seyffert. Vorher möchte er sich nicht zu Termindingen äußern. "Das verunsichert nur."

Für den bereits genehmigten Abschnitt Siershahn-Grenzau hat das Land signalisiert, dass es im Rahmen der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen - wie bei anderen nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Rheinland-Pfalz - die Aufwendungen für die Erhaltung und den Betrieb von höhengleichen Kreuzungen anteilig mitfinanziert. Seyffert hofft, dass sich neben dem Land auch die drei betroffenen Landkreise und Kommunen an der Brex-Reaktivierung finanziell beteiligen. Die Pachtkonzession ist ihm für fünf Jahre erteilt worden. Ohne regelmäßige Fahrten ist die "Brex" für Jörg Seyffert ein reines Verlustgeschäft. Die derzeit einzige Möglichkeit zur Refinanzierung sind "Parkgebühren". So hat er am Gleisanschluss Ludwig zwischen Ransbach-Baumbach und Ebernhahn Stellplätze für 13 Güterwagen zur Verfügung gestellt.

Sicher ist: Pächter und Verein alleine können nicht alle Kosten aufbringen - wie engagiert die Mitglieder auch sein mögen. An allen Fronten wird gearbeitet. In den Räten wird über die Brex informiert, Sponsoren werden gesucht, Messen besucht und Marketingkonzepte entwickelt. Und an jedem Wochenende - auch bei Kälte oder Regen - findet sich ein kleiner, motivierter Haufen an den Gleisen ein. 60 Aktive, aber auch Eisenbahnfans aus Holland sind derzeit damit beschäftigt, die Strecke zwischen Bendorf und Grenzau von Bäumen und Gesträuch freizuschneiden, die Stämme und Äste zu häckseln und die Gleise wieder herzurichten. "Bis Februar wollen wir in Grenzau sein", erläutert Gernot Kallweit. Insgesamt 14 000 Arbeitsstunden sind ehrenamtlich seit dem Gründungsjahr des Vereins 2007 von den Mitgliedern geleistet worden. Und jeder hat nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld investiert - durch die Investition in Motorsägenführerscheine, in amtsärztliche Zeugnisse oder in eine Ausbildung, die erlaubt, Fahrzeuge auf Gleisen zu bewegen.

Kallweit hat viel vor mit der Brex. Er sieht die Eisenbahn als Sympathieträger, als wichtiges Netzwerk und als Projektionsfläche in der Kultur- wie Industriegeschichte. Er möchte alle im unteren Mittelrhein vorhandenen historischen Bahnen und bahngeschichtlichen Zeugnisse miteinander vernetzten und ein "Bahnerlebnisland unteres Mittelrheintal" kreieren. Die Brex ist für ihn mit ihren 36 Viadukten und Brücken sowie den sieben Tunneln eine der spektakulärsten Nebenbahnen Deutschlands. Sie kann das Rheintal mit dem ICE-Bahnhof in Montabaur verbinden. Integriert werden in das Konzept kann auch das DB-Museum in Koblenz. Kallweit verweist auf ein enormes Besucherpotenzial: In einem Radius von 200 Kilometern leben circa 20 Millionen Menschen. Kallweit hält 100 000 Fahrgäste im Jahr für realistisch.

Die Brex könnte unter anderem den Limes erlebbar machen - beispielsweise durch ein Römerfest. In Siershahn ist das Thema Ton erfahrbar, über den Abbau können sich die Besucher im Tonbergbaumuseum informieren. Nach dem Willen des Vereins soll der Bahnhof Ransbach-Baumbach zu einer Kunst- und Keramikstation mit Galerie umfunktioniert werden, in der das Töpferhandwerk erfahrbar werden soll. In Höhr-Grenzhausen hingegen könnte man den Schwerpunkt auf Keramik als Hightechwerkstoff legen. Sayn punktet mit Burg, Schloss und Schmetterlingsgarten. Wandern und Radfahren könnten mit der Brex zusammen als Gesamtpaket vermarktet werden.

Kallweit sprudelt im Gespräch geradezu vor Ideen. Ihm schwebt zudem ein Ritterexpress vor, der die Burg Sayn mit der Burg Grenzau und der Burg Reichenstein verbindet. Eines ist für ihn sicher: "Die Brex ist ein Riesenschatz. 2011 zur Bundesgartenschau in Koblenz sind wir auf alle Fälle unterwegs."
 
Camilla Härtewig
 
 
(c) Rhein-Zeitung