Brexbachtalbahn e.V.
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Die Brex lebt und nimmt Fahrt auf
Dienstag, 02. Juni 2009 um 00:00
Teil der Bahnstrecke zum 125-jährigen Bestehen offiziell wieder in Betrieb

Der Pioniergeist, mit dem die Ingenieure vor 125 Jahren die Eisenbahnstrecke durchs enge Brexbachtal erzwungen haben, trägt bis heute und hat am Wochenende neue Nahrung erhalten. An Pfingsten sind Tausende der "Faszination Brex" erlegen und haben ein außergewöhnliches Stück Westerwälder Eisenbahnromantik mit großartigen Zukunftsperspektiven erlebt.

WESTERWALDKREIS. Die Brex ist wieder da! An Pfingsten sind der tot geglaubten Eisenbahnstrecke zwischen Engers und Siershahn endgültig neue Lebensgeister eingehaucht worden. Mit der offiziellen Wiedereröffnung und der Feier zum 125-jährigen Bestehen der guten, alten Brexbachtalbahn steht fest: In der Eisenbahngeschichte einer der romantischsten und schönsten Strecken in Rheinland-Pfalz, vielleicht sogar in ganz Deutschland, ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden; weitere sollen und müssen folgen, denn der Verein Brexbachtalbahn steht mit dem Freischneiden und Wiederherrichten des zweiten Streckenabschnitts zwischen Grenzau und Engers vor einer gewaltigen, einer noch größeren Herausforderung.

Band durchschnitten

Am Wochenende wurde aber erst einmal gefeiert. Hendrik Hering durchschnitt in Grenzau das rot-weiße Trassierband und markierte damit - 15 Jahre nach der Stilllegung - den Neuanfang für die Brex, die nach dem Willen der Vereinsmitglieder und wohlwollend unterstützt von weiten Teilen der Politik und der Öffentlichkeit zu einer touristischen Attraktion erster Güte werden soll. Mit bis zu 30 000 Fahrgästen im ersten Jahr rechnet Jörg Seyffert von der betreibenden Eifelbahn Verkehrsgesellschaft, wenn die komplette Strecke zwischen Siershahn und Engers erst einmal zur Verfügung steht. "Dies ist ein wunderschöner Tag", sagte Hering. Es sei großartig, diese erste offizielle Fahrt miterleben zu dürfen. "Da geht einem das Herz auf", schwärmte der Minister. Er kündigte an, das Land werde touristische Eisenbahnen in Zukunft wieder fördern. Die Reaktivierung der "Brex" sei aber nicht der Politik zu verdanken, sondern Menschen, "die Tausende von Stunden gearbeitet und gezeigt haben, dass sie bereit sind, sich für ein faszinierendes Projekt zu begeistern".

Laut Adolf Bongartz, Vorsitzender des Vereins Brexbachtalbahn, waren es exakt 7000 Arbeitsstunden, die die Mitglieder in den vergangenen beiden Jahren in die Brex investiert haben. In den zwei Monaten vor der Wiedereröffnung mussten die "Brexianer" an allen Werktagen ranklotzen, um die Strecke genehmigungsfähig und damit befahrbar zu machen; eine gigantische Leistung - noch dazu, weil dies gelang, ohne öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen. "Wir dürfen die Hände jetzt nicht in den Schoß legen", machte Bongartz klar. Er nimmt für die Reaktivierung der kompletten Strecke das Jahr 2011 ins Visier - das Jahr der Bundesgartenschau in Koblenz. Bongartz: "Wenn wir es bis dahin schaffen, bis nach Neuwied und Koblenz zu fahren, werden sich die Synergien im gesamten Brexbach- und Masselbachtal bis hin nach Siershahn, Wirges und Montabaur auswirken." Dies sei allerdings ohne die finanzielle Hilfe des Landes und der Kommunen nicht zu schaffen, denn gerade der untere Teil der Brex mit insgesamt 23 Tunnels und Viadukten erfordert laut Bongartz deutlich mehr maschinellen Einsatz und wird nur mit großem Aufwand wiederherzurichten sein. Parallel zur Eisenbahnstrecke plant der Verein übrigens ein zweites großes Projekt: Ein Rad- und Wanderweg von Engers bis nach Siershahn soll das touristische Konzept der Brexbachtalbahn abrunden.

An Vorbehalte erinnert

Der Westerwälder Kreisbeigeordnete Kurt Schüler fühlte sich am Pfingstsamstag an Schülertage erinnert, an denen er mit der Brex nach Höhr-Grenzhausen zum Unterricht fahren durfte (und musste). Als Ransbach-Baumbacher machte er aber auch auf gewisse Vorbehalte und Ängste aufmerksam, die man in seiner Heimatstadt mit der Reaktivierung der Strecke verbindet. Eine Wiederaufnahme des Güterverkehrs, die manche befürchten, lehne auch er ab, für ein touristisches Konzept wünscht Schüler den Betreibern indes Erfolg. Regelrecht euphorisch gab sich Landrat Rainer Kaul (Neuwied). "Ich bin richtig glücklich, das wird ein Touristenmagnet", ist er sich sicher. Hans-Werner Hewer, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, teilt diese Überzeugung und stellt fest: "Das wird für die Region eine ganz tolle Sache."

Wer am Wochenende dabei war, wird dem nicht widersprechen und diese Bilder so schnell nicht vergessen: Das Dampfross schnauft pfeifend und rauchend durch die grüne Hölle des Masselbachtals, über Schienen, die schon völlig zugewuchert waren und von den Vereinsmitglieder in mühevoller Arbeit freigeschnitten worden sind. Überall am Streckenrand haben sich Fotografen postiert, Transparente sind zu sehen, Menschen stehen winkend an Bahnübergängen, in Gärten, auf Wiesen, darunter eine Westerngruppe des Indian Council in Hundsdorf und ein Dutzend Jugendliche, die ihr kleines Zeltlager, von dem aus sie die "Brex" grüßen, "Neubierland" getauft haben. Die Freude darüber, dass wieder Züge über diese Gleise rollen, ist offensichtlich, und sie scheint ungeteilt, auch wenn eine Kuhherde vor der stampfenden Lokomotive panisch Reißaus nimmt. Man darf davon ausgehen: Auch die Rindviecher werden sich an die Brex gewöhnen.    (jgm)
 
(c) Rhein-Zeitung